Wer an Körperspende denkt, hat meist Medizinstudierende im Präpariersaal vor Augen. Das ist richtig, aber es ist nur ein Teil des Bildes. Auch fertig ausgebildete Ärztinnen und Ärzte lernen weiter am menschlichen Körper, ebenso Menschen, die mit Medizinprodukten arbeiten. Und es gibt Berufe außerhalb der Medizin, deren Arbeit ohne genaues Wissen über den Körper nicht gelingt. Dieser Beitrag zeigt, welche das sind und warum praktisches Lernen dort so viel zählt.
Operieren lernt man nicht allein aus Büchern. Das Deutsche Ärzteblatt berichtet über die Rolle anatomischer Institute in der chirurgischen Fortbildung. Am Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik der Universität Tübingen finden demnach jedes Jahr mehr als 100 Operationskurse für rund 2.500 Chirurginnen und Chirurgen statt, die auch aus dem Ausland anreisen. Das Institut selbst beschreibt diese Kurse als chirurgische Fort- und Weiterbildung an eigens dafür eingerichteten OP-Arbeitsplätzen. Auch die Medizinische Hochschule Hannover bietet Operationskurse in ihren Präpariersälen an, die vor allem der Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen dienen.
Im selben Ärzteblatt-Beitrag heißt es, die chirurgische Ausbildung benötige „zwingend und dringend die Arbeit am menschlichen Körper“. Die Alternative wäre, dass erst am lebenden Patienten geübt wird.
Für Operationskurse kommt es darauf an, dass sich das Gewebe möglichst so verhält wie beim lebenden Menschen. Deshalb wird für chirurgische Kurse unter anderem die sogenannte Thiel-Fixierung verwendet. Eine Übersichtsarbeit aus der Urologie beschreibt, dass so konservierte Körper sich in Gewebequalität, Elastizität und Handhabung für das Training bewährt haben. Eine Untersuchung aus der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie kam zu dem Ergebnis, dass Farbe, Struktur und Konsistenz sehr realitätsnah waren, und hielt das Verfahren für die ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung für besonders geeignet.
Neue Implantate, Instrumente und Operationsroboter müssen von denen beherrscht werden, die sie einsetzen. Das Ärzteblatt berichtet, dass Hersteller Operationskurse anbieten, damit Chirurginnen und Chirurgen etwa Gelenkimplantate oder OP-Roboter sicher und ohne Komplikationen anwenden lernen. In den Kursübersichten der Medizinischen Hochschule Hannover erscheinen Operationskurse, an denen Implantathersteller beteiligt waren.
Ein Beispiel aus der Neurochirurgie macht das greifbar. Das Klinikum Fulda schildert eine Schulung zum Einsetzen eines Hörimplantats am Hirnstamm, die 2018 in Tübingen stattfand. Der Hersteller übernahm die Organisation, die ärztliche Seite den wissenschaftlichen Teil, und geübt wurde an Körperspendern, die für Eingriffe am Gehirn besonders fixiert worden waren.
Auch die Bestattungsbranche ist ein Lehrberuf mit praktischen Anforderungen. Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft dauert nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter drei Jahre und verbindet Betrieb und Berufsschule. Die Ausbildungsverordnung nennt unter anderem die Grundversorgung Verstorbener mit hygienischen Maßnahmen, Einkleiden und Einbetten, die Aufbewahrung unter Beachtung rechtlicher und hygienischer Vorgaben sowie die Überführung. Ergänzend gibt es überbetriebliche Lehrgänge in Münnerstadt, darunter eine Woche zur hygienischen Versorgung Verstorbener.
Einen Schritt weiter geht die Thanatopraxie. Gemeint sind alle Tätigkeiten, die eine hygienisch und ästhetisch einwandfreie Aufbahrung ermöglichen. Bei Überführungen ins Ausland ist eine solche Behandlung häufig vorgeschrieben. Die Fortbildung zum Geprüften Thanatopraktiker umfasst nach Angaben des Bundesverbands 250 Unterrichtsstunden, darunter Anatomie, Physiologie und Pathologie, Mikrobiologie und Hygiene, und endet mit einer Prüfung vor einer Handwerkskammer. Ein anderer Anbieter nennt zusätzlich die Wiederherstellung nach Unfällen und schreibt zwei Praxisphasen von je 14 Tagen vor.
Das zeigt, worum es geht. Wer einen Verstorbenen würdevoll für den Abschied der Familie vorbereitet, braucht ein genaues Verständnis von Anatomie und Gewebe und eine sichere Hand.
Die Medidono gGmbH mit Sitz in Düsseldorf ist gemeinnützig. Ihr Gesellschaftsvertrag nennt als Zweck die Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie der Volks- und Berufsbildung durch Entgegennahme und Bereitstellung von Körperspenden, ausdrücklich auch für die Lehre medizinischer und medizintechnischer Berufsgruppen einschließlich Bestattungsbranche und Thanatopraxie. Medidono forscht und lehrt nicht selbst. Medidono ist organisatorische Trägerin des Programms, nimmt die Spende entgegen, prüft die Freigaben, dokumentiert, übergibt an einen dazu nach dem am Sterbeort geltenden Recht befugten Forschungspartner und bestattet nach Abschluss auf eigene Kosten. Für Spender und Angehörige ist die Spende kostenlos. Die Körperspendeerklärung kann nur die Person selbst abgeben.