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Lernen am Körper oder am Bildschirm? Was Studien zum Präparierkurs zeigen

Im Präparierkurs lernen angehende Ärztinnen und Ärzte den Aufbau des menschlichen Körpers an Menschen, die sich zu Lebzeiten dafür entschieden haben. Heute gibt es zugleich virtuelle Präpariertische und 3D-Programme. Wird der echte Körper also noch gebraucht? Die Forschung antwortet differenziert.

Beim Prüfungswissen liegen die Methoden gleichauf

Eine Metaanalyse von 2018 hat 27 Studien mit mehr als 7.700 Teilnehmenden ausgewertet. Verglichen wurde die eigene Präparation mit Prosektion, also mit bereits vorbereiteten Präparaten, sowie mit digitalen Medien, Modellen und Mischformen. Laut Zusammenfassung der Arbeit schnitten die Studierenden in Wissensprüfungen gleich ab, egal wie sie gelernt hatten. Gemessen wurde allerdings nur Prüfungswissen über kurze Zeiträume.

Ähnlich fällt eine randomisierte Studie aus Seoul aus, in der 154 Studierende zwischen virtueller und echter Präparation wechselten. In einzelnen Tests lag die virtuelle Gruppe vorn, nach dem Wechsel zeigten sich keine Unterschiede mehr. Die Geräte wurden für ihre räumliche Darstellung geschätzt, die Arbeit am Körperspender für ihre Echtheit.

Virtuelle Präpariertische als Ergänzung

Ein systematisches Review von 2025 hat 22 Studien zu virtuellen Präpariertischen zusammengetragen. Die meisten berichteten bessere Prüfungsergebnisse und ein besseres räumliches Verständnis. Ausschließlich virtuell lernen wollte aber nur ein kleiner Teil der Studierenden, die Mehrheit bevorzugte beide Wege zusammen. Die Autorinnen und Autoren sehen die Tische deshalb als Ergänzung, nicht als Ersatz. Sie nennen auch Schwächen. Viele Studien waren klein, beruhten auf Selbstauskünften und verglichen teils nur mit Lehrbüchern statt mit dem Körperspender. Das Fühlen echten Gewebes bieten die Tische bislang nicht.

Was sich nicht in Punkten messen lässt

In der Fachliteratur wird der Körperspender mitunter als erster Patient bezeichnet. Eine Studie aus Singapur untersuchte die Wirkung der Präparation auf die berufliche Identität, nachdem für einen Jahrgang die Präparation wegen der Pandemie ausgefallen war. Zahlenmäßig ließ sich kein Effekt auf die berufliche Identität nachweisen. In Interviews beschrieben Studierende mit Präparationserfahrung aber, dass sie den Spender als Person wahrgenommen, Dankbarkeit empfunden und Mitgefühl für künftige Patienten entwickelt hätten. Studierende ohne Präparation sprachen vor allem über Wissen. Allerdings antwortete nur knapp ein Viertel der Angefragten.

Eine Befragung von 217 Studierenden an 13 Universitäten im Herbst 2020 fand, dass Studierende mit Kontakt zu Körperspendern deutlich häufiger über Tod und Vergänglichkeit nachgedacht hatten. Auch das sind Selbstauskünfte.

Zur Teamarbeit ist die Datenlage schmal. In einer nicht randomisierten Studie aus Nigeria berichteten Studierende häufiger von guter Zusammenarbeit, wenn die Präparation bewusst als Teamaufgabe organisiert war. Zum Vergleich mit dem Bildschirm sagt sie nichts.

Was die Pandemie gezeigt hat

In Magdeburg lief der Kurs zunächst ausschließlich online mit Videos und Präsentationen. Ab Mai 2020 wurde wieder am Körperspender präpariert, in kleinen Gruppen mit höchstens fünf Studierenden je Spender. Das Onlinematerial fanden die Studierenden ganz überwiegend hilfreich. Zugleich hielten sie fest, dass ein virtueller Kurs den echten nicht ersetzen könne.

Was bleibt

Beim messbaren Prüfungswissen halten Prosektion, Modelle und digitale Werkzeuge nach heutigem Stand mit der Präparation mit, und digitale Mittel helfen beim räumlichen Verständnis. Für Ziele jenseits des Wissens, etwa den respektvollen Umgang mit einem menschlichen Körper und die Begegnung mit dem Tod, stammen die Hinweise vor allem aus Befragungen und Interviews. Sie sprechen für die Arbeit am Körperspender, beweisen ihren Wert aber nicht. Mehrere der genannten Arbeiten empfehlen daher, beide Wege zu verbinden.

Lehre und Forschung am Körper setzen Menschen voraus, die sich zu Lebzeiten bewusst dafür entscheiden. Die Medidono gGmbH aus Düsseldorf ist gemeinnützig und organisatorische Trägerin eines Körperspendeprogramms. Sie nimmt Körperspenden entgegen und übergibt sie an einen Forschungspartner, der nach dem am Sterbeort geltenden Recht dazu befugt ist. Die wissenschaftliche Verwendung nimmt Medidono nicht selbst vor. Die Spende ist für Spender und Angehörige kostenlos, und die Erklärung kann nur die Person selbst abgeben.

Quellen

  1. Wilson AB, Miller CH, Klein BA, Taylor MA, Goodwin M, Boyle EK, Brown K, Hoppe C, Lazarus M (2018). A meta-analysis of anatomy laboratory pedagogies. Clinical Anatomy 31(1), 122 bis 133. DOI 10.1002/ca.22934. Zusammenfassung: research.monash.edu
  2. Yun YH, Kwon HY, Jeon SK, Jon YM, Park MJ, Shin DH, Choi HJ (2024). Effectiveness and satisfaction with virtual and donor dissections: A randomized controlled trial. Scientific Reports 14. DOI 10.1038/s41598-024-66292-7. nature.com
  3. Telecan T, Capraș RD, Filip GA, Bonea M, Crivii CB (2025). Dissection in the 21st century: virtual tables versus traditional methods and their influence on medical students' perception. A systematic review. BMC Medical Education. DOI 10.1186/s12909-025-07946-6. link.springer.com
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  5. Wu A, Xiao QY, McWatt S et al. (2022). The Anatomy Course During COVID-19: The Impact of Cadaver-Based Learning on the Initiation of Reflection on Death. Medical Science Educator 32, 1033 bis 1044. DOI 10.1007/s40670-022-01609-7. link.springer.com
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  7. Wolniczak E, Roskoden T, Rothkötter HJ, Storsberg SD (2020). Course of macroscopic anatomy in Magdeburg under pandemic conditions. GMS Journal for Medical Education 37(7). DOI 10.3205/zma001358. egms.de

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