Wer über eine Körperspende nachdenkt, fragt sich oft, wie andere Menschen zu dieser Entscheidung gekommen sind. Was bewegt sie, was lässt sie zögern, und wie reagieren ihre Familien? Veröffentlichte Studien liefern keine allgemeingültigen Antworten, wohl aber ein Bild davon, was Befragte in bestimmten Ländern und Programmen berichtet haben. Eine veröffentlichte Befragung registrierter Spender allein aus Deutschland haben wir für diesen Beitrag nicht gefunden. Die meisten Befunde stammen daher aus Nachbarländern.
In Groningen in den Niederlanden verschickte die Anatomie im November 2008 Fragebögen an 996 registrierte Körperspender, 759 von ihnen schickten ihn vollständig ausgefüllt zurück. Die meisten Beweggründe ließen sich auf den Wunsch zurückführen, nach dem Tod noch von Nutzen zu sein. Daneben spielten Dankbarkeit und eine ablehnende Haltung gegenüber herkömmlichen Beerdigungen eine Rolle. Die Autoren folgern, dass die Spende mehr ist als ein rein selbstloser Akt, weil auch persönliche Gründe mitwirken. Die Vermutung, Körperspender seien häufig einsam, bestätigte sich nicht. Viele Befragte hatten ein tragfähiges soziales Umfeld. Eine spätere Auswertung derselben Befragung, ergänzt um Interviews mit 20 Spendern, deutet die Entscheidung als selbstbestimmten Weg, Leben und Tod einen Sinn zu geben, unabhängig von kirchlichen Institutionen.
In Großbritannien und Irland beantworteten 2019 insgesamt 843 Menschen, die an vier Zentren Informationsmaterial zur Körperspende angefordert hatten, einen Fragebogen. Als wichtigste Gründe nannten die meisten, Ausbildung, Gesundheitsversorgung und medizinische Wissenschaft voranzubringen. In Lüttich in Belgien beschrieben 104 Menschen, die 2018 ihre Spende erklärt hatten, ihre Beweggründe in eigenen Worten. Gut die Hälfte nannte den Nutzen für Wissenschaft und Ausbildung. Kleinere Gruppen sprachen davon, dem eigenen Tod einen Sinn zu geben, anderen helfen zu wollen oder dankbar für erhaltene Behandlung zu sein.
Zweifel sind schwerer zu erforschen als Motive, denn befragt werden meist Menschen, die sich bereits entschieden haben. Die Autorinnen und Autoren der britisch irischen Studie weisen selbst darauf hin, dass ihre Teilnehmer schon Interesse gezeigt hatten und daher nicht für die Gesamtbevölkerung stehen. Eine systematische Übersichtsarbeit aus Polen, die 131 Artikel auswertete, kommt zu dem Ergebnis, dass die Bereitschaft zur Körperspende unter anderem mit Geschlecht, Alter, Bildung, Religion, Kultur und Wohnort zusammenhängt.
Aufschlussreich ist eine kleine Befragung von 54 anatomischen Fachleuten in den Niederlanden aus dem Jahr 2009. Keiner von ihnen war als Körperspender registriert, und nur etwa ein Viertel konnte sich eine eigene Spende vorstellen. Als wichtigste Hindernisse sehen die Autoren das berufliche und das soziale Umfeld der Befragten. In der belgischen Studie waren zudem zwei von zehn befragten Angehörigen unsicher, ob der Wille des Verstorbenen ganz erfüllt wurde, weil sie wenig darüber wussten, wie der Körper verwendet worden war.
In der britisch irischen Studie hatten 98 Prozent mit jemandem darüber gesprochen. Von den 15 Personen, die das nicht getan hatten, lebten 14 nicht in einer Partnerschaft. In Lüttich hatten 96 Prozent der Spender ihre Angehörigen informiert. Rund zwei Drittel der Familien reagierten nach Angabe der Spender unterstützend, die übrigen eher überrascht, traurig oder zwiespältig.
Wie Angehörige den Abschied erleben, hat dieselbe Studie ebenfalls untersucht, allerdings mit nur zehn antwortenden Familien. Sieben von ihnen beschrieben die Trauer als doppelten Verlust, einmal beim Tod und noch einmal, als die sterblichen Überreste später an die Familie zurückgegeben wurden. Die Forschenden empfehlen deshalb, Familien gut zu informieren und zu begleiten.
Auch Spender selbst wünschen sich, als Menschen wahrgenommen zu werden. Eine 2018 veröffentlichte Studie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragte unter anderem 227 an der Universität Ulm registrierte Körperspender. Eine große Mehrheit von ihnen war einverstanden, dass Studierende in anonymisierter Form etwas über ihre Krankengeschichte erfahren.
Für Deutschland berichtet eine europäische Übersicht, dass an jeder Universität meist ein oder zwei Gedenkfeiern im Jahr stattfinden, organisiert von den anatomischen Instituten gemeinsam mit Geistlichen beider großen Kirchen. An mehreren Universitäten sind auch die Angehörigen eingeladen. In der Schweiz laden die Institute Familien zu jährlichen Feiern ein, die Studierende und Mitarbeitende gestalten. In den Niederlanden gibt es vielerorts ein Denkmal oder eine Gedenkfeier, die Angehörige auch für Gespräche mit Studierenden nutzen.
Wie solche Begegnungen wirken können, zeigt eine Studie aus Oklahoma in den USA. Dort trafen Familien von Spendern vor Kursbeginn die Studierenden. Gespräche mit sieben Familien ergaben, dass das Treffen ihnen half, mit dem Tod abzuschließen, und anfängliche Beklommenheit in Dankbarkeit verwandelte.
Die Medidono gGmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Düsseldorf. Sie ist organisatorische Trägerin eines Körperspendeprogramms und forscht, präpariert oder lehrt nicht selbst. Medidono nimmt Körperspenden entgegen, dokumentiert sie, übergibt sie an einen Forschungspartner, der nach dem am Sterbeort geltenden Recht dazu befugt ist, und sorgt anschließend für die Bestattung. Für Spender und Angehörige ist die Spende kostenlos. Die Erklärung kann jeder Mensch nur für sich selbst abgeben. Die Studien legen nahe, früh mit den Angehörigen darüber zu sprechen.